14.04.2026 – Gerschede: Auch Kirchturm abgerissen
Eigentlich hätte er stehen bleiben sollen, als Reminiszens an die katholische Vergangenheit Gerschedes. Jetzt wurde der Turm der Paulus-Kirche doch abgerissen.
Viele ältere Gerscheder können sich noch daran erinnern, dass sie selber oder ihre Väter fleißig und ehrenamtlich mitgebaut haben an der kath. Kirche St. Paulus an der Tangabucht. Es ist nämlich noch nicht allzu lange her, dass diese Kirche zwischen 1954 bis 1956 errichtet wurde. Nach Plänen des Essener Architekten Martin Schoenmakers entstand das Gebäude, das nach nur zweijähriger Bauzeit vom Kölner Weihbischof Joseph Ferche vor der Fertigstellung am 10. Juli 1955 konsekriert wurde.

Am Düppenberg gab es bereits seit 1924 eine Kapelle, die 1939 als erste Kirche für das neue Rektorat St. Paulus in Gerschede diente. Die Kapelle wurde von den auch für das Philippusstift tätigen Schwestern (zunächst die Elisabetherinnen vom Essener Mutterhaus, ab Ende 1926 von den Missionsschwestern vom heiligsten Herzen Jesu aus Hiltrup) genutzt. Gleich nebenan betrieben sie den Ökonomiehof, der das Krankenhaus mit Lebensmitteln versorgte.
Die kleine Pfarrei (ab 1961) St. Paulus wurde vom Kölner Erzbischof aus der Mutterpfarre St. Dionysius herausgelöst. 2017 wurde die Schließung der Kirche beschlossen. Die Messe zur Außerdienststellung wurde am 27. Juni 2021 gelesen.
In den allerersten Plänen für das Terrain auf dem ehemaligen Kirchengrundstück St. Paulus plante die CSE nicht weniger als ein ganzes Quartier. Im „Paulus-Quartier“ sollten Seniorenwohnungen, Plätze für die Pflege und der lang ersehnte Neubau des Hospizes Platz finden. Das ist fünf Jahre her. Gestoppt wurden die Pläne vor etwa drei Jahren.
In der Zwischenzeit wurde eine 3500 Quadratmeter großer Teil der ehemaligen Fläche der katholischen Gemeinde St. Paulus, zu Pfarre St. Josef gehörig, an die Stadt verkauft, die dort einen Erweiterungsbau für die Gesamtschule Borbeck plant.
Immerhin: Der Neubau des Hospizes steht bevor. Auf der Seite des Hospizvereins Cosmas und Damian steht zu lesen:
„Der geplante Neubau bietet eine wohnliche Atmosphäre mit 11 Einzelzimmern, welche alle über ein separates Bad und einen barrierefrei erreichbaren Balkon verfügen. Dazu besitzt das Hospiz viele Gemeinschaftsräume wie Wohnzimmer, Esszimmer, Küche, Meditationsraum und eine Loggia. Angehörige und Freunde können auf Wunsch im Haus übernachten, entweder im Zimmer des Hospizgastes oder in einem separaten Angehörigenzimmer. Der Ambulante Hospizdienst Cosmas und Damian hat im Herbst 2024 direkt daneben Räume im Gemeindeheim bezogen. Der Förderverein Cosmas+Damian Hospiz e.V. mit der Kreativgruppe „Kreative Könner“ werden ebenfalls perspektivisch Räumlichkeiten am Standort beziehen.“
Mit dem Abriss von Kirchen verliert unsere Stadt immer mehr identitätsstiftende Gebäude. Sie sind allen Menschen – ob mit oder ohne Konfession – ein lieb gewordener Anblick. Der Verlust ist unwiederbringlich. Wer wissen mag, welche kirchlichen Gebäude es um 1998 in Essen noch gab, sei das Buch „Kirchen, Kapellen, Synagogen in Essen“ von Heinz Dohmen und Eckhard Sons empfohlen, erschienen im Nobel-Verlag.
Fotos: Heribert Kröll
