13.09.2026 – Anschaulich und kenntnisreich: Führungen am Denkmaltag kamen gut an
Ausgerechnet! Wochenlang hatte es keinen Tropfen geregnet und dananach auch nur selten und wenige Tropfen. Und dann das: Am Denkmaltag öffnete der Himmel seine Schleusen, und es goss in Strömen.
Dann kamen doch einige unentwegte Hof-Fans, die sich ein Schwätzchen und die leckeren Kuchen nicht entgehen lassen wollten. Und es kamen „Neue“, die aus der Zeitung oder dem Netz vom offenen Steenkamp Hof am Denkmaltag erfahren hatten. Insgesamt drei Führungen – kenntnisreich erarbeitet und anschaulich vermittelt von Dirk Hagedorn – hatten interessierte Zuhörer gefunden. Die staunten zum Beispiel nicht schlecht, als sie gebeten wurden, ein Waffeleisen zu heben, wie man es früher auf den Kohleherd übers Feuer legen musste. Dafür braucht man Muckis.

Auch in der Sütterlin-Stube war Betrieb. Die Vorsitzende des Vereins durfte einen Blick in ein Kinderbuch aus den Dreißigerjahren werfen, das in der damaligen Schreibschrift (Sütterlin) gedruckt war. Sie las Briefe aus dem Jahr 1944, in denen ein Paket – gefüllt u.a. mit Süßigkeiten für die Kinder – eine Hauptrolle spielte und sie kämpfte mit einem Kaufvertrag aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Das war eine besondere Herausforderung. Schließlich waren in Notariaten so genannte Kanzleischriften oder Kurrentschriften in Gebrauch, die recht verschörkelt, aber von einer besonderen Ästhetik waren. Hinzu kamen Fachbegriffe, die damals gebräuchlich und heute verblasst sind. Sütterlin wurde 1911 entwickelt. Noch in Nazi-Deutschland (ab etwa 1941/1942) wurde sie durch die lateinische Schrift ersetzt bzw. abgeschafft.
Gut zu tun hatte auch Annett Witteler. Zwar hatte sie wegen des Regens ihr Spinnrad daheim gelassen, aber mit Handspindeln konnte sie so manchen Gast auf dem Hof „umgarnen“ und für das Handwerk interessieren. Falls es unter unseren Leserinnen und Lesern jemanden gibt, der sich für das alte Handwerk des Webens interessiert und an dem 150 Jahre alten Webstuhl arbeiten möchte, kann sich unter info@khv-borbeck.de melden. Der Verein würde sich freuen.

Die Fotos machte Hermann Bovens. Auf dem unteren Bild, 2.v.r.: Dirk Hagedorn
